Diese Futtermittel schaden Zähnen und Gesundheit

Trockenfutter?

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Der Begriff "Trockenfutter"

Unter "Trockenfutter" stellt man sich meist handelsübliche Futtermischungen, Pellets und Leckerlis vor, welche an Kaninchen nicht verfüttert werden sollten. Genau genommen gehören natürlich auch weniger bedenkliche Futtermittel wie Heu, Sämereien, Trockenkräuter, Getreideflocken usw. zum "Trockenfutter".

Wie auch immer - einen Nachteil haben alle gemeinsam: Den geringen Flüssigkeitsgehalt. Der gesamte Organismus des Kaninchens, ganz besonders jedoch der Harntrakt, ist von Natur aus auf eine Nahrung eingestellt, die größtenteils aus Flüssigkeit besteht. Daher sollte von allen genannten Futtermitteln grundsätzlich so wenig Getrocknetes wie möglich verfüttert werden:

Warum sollte auf Fertigmüslis und Pellets verzichtet werden?

Das handelsübliche „Alleinfutter“ für Kaninchen sugeriert dem Besitzer, seine Tiere (nur) damit gesund ernähren zu können. Leider ist aus medizinischer Sicht genau das Gegenteil der Fall: Die meisten Trockenfutter verfügen nicht nur über schädliche Inhaltsstoffe und einen kaum vorhandenen Flüssigkeitsgehalt, sondern auch über eine für das Kaninchen völig unnatürlich Konsistenz.

Fertigfutter ist sowohl direkt als auch indirekt für eine Reihe akuter sowie chronischer Erkrankungen verantwortlich, die oft erst nach Jahren zutage treten und vom Kaninchenhalter daher selten mit der Fütterung in Zusammenhang gebracht werden.

Viele Kaninchenhalter machen den Fehler, ihre Tiere auch oder gerade bezüglich der Ernährung zu vermenschlichen. Sätze wie „Man kann doch nicht nur von Gemüse leben!“ gehören leider noch immer zu den Standard-Begründungen für eine zusätzliche Gabe von Trockenfutter. Kaninchen verfügen jedoch über ein völlig andereres Verdauungssystem als der Mensch und sind im Gegensatz zu uns auf karge, flüssigkeitsreiche Kost angewiesen, um langfristig gesund zu bleiben.

Welche gesundheitlichen Folgen sind möglich?

Zahnfehlstellungen

Studien haben ergeben, dass auf Heu, Wiesengrün und co. zwecks Zerkleinerung etwa zehnmal länger gemahlen wird als auf handelsüblichem Trockenfutter. Letzteres sorgt demzufolge nicht nur indirekt für Zahnprobleme, indem es durch seinen hohen Sättigungsgrad den Verzehr gesunder Nahrungsmittel vermindert; bereits das Trockenfutter selbst lässt sich viel zu schnell zerkleinern, als dass es den Zähnen nutzen würde.

Chronische Zahnfehlstellungen können dadurch entstehen, dass die Zähne sich infolge unphysiologischer Kaubewegungen im Kieferknochen lockern. Dies kommt dadurch zustande, dass Körner, Pellets und co. aufgrund ihrer Form und Konsistenz nicht durch waagrechte Kieferbewegungen zermahlen, sondern durch senkrecht ausgeübten Druck zerquetscht werden. Diese Dauerbelastung der Kiefergelenke und des Kieferknochens kann zu Entzündungen und Degenerationen (=Rückbildungsprozess) führen.

Zahnspitzen entstehen, wenn eine Zahnfehlstellung vorliegt und die Zähne sich dadurch nicht optimal gegeneinander abschleifen können. Die Spitzen werden zunehmend markanter und führen schließlich zu Rissverletzungen an Zunge und Maulschleimhaut, was so schmerzhaft sein kann, dass das Kaninchen die Futteraufnahme einstellt.

Zahnbrücken sind die Folge eines Mangelabriebes, können also einerseits genetisch, andererseits ernährungsbedingt sein. Die Backenzahnreihen wachsen dabei an ihren sitzenden "Gegenspielern" im gegenüberliegenden Kiefer vorbei gen Mäulchenmitte und treffen schließlich mit den Backenzähnen auf der anderen Seite zusammen, was das Kaninchen zunächst erheblich bei der Nahrungsaufnahme einschränkt.

Mit der Zeit kommt es häufig zu Folgeerkrankungen wie chronischen Durchfällen, Frischfutterunverträglichkeiten, Aufgasungen und Magenüberladungen, da das Kaninchen seine Nahrung nicht mehr vernünftig zerkleinert und insgesamt zu wenig frisst.

Im weiteren Verlauf entsteht ein massiver Druck auf die gegeneinander wachsenden Zähne, was nicht nur zu grotesken Verbiegungen und noch massiveren Fehlstellungen, sondern auch zu einer Belastung des Kieferknochens und führt, welche mit Entzündungen und Degenerationen verbunden ist.

Karies

Viele Trockenfuttersorten besitzen Inhaltsstoffe wie Zucker oder Honig, welche einen idealen Nährboden für Bakterien bilden. Neben starken Schmerzen löst Karies bei ausbleibender Behandlung schwere Zahnfleischentzündungen aus, hat eine Lockerung und schließlich einen Ausfall des betroffenen Zahnes zur Folge. Es kommt außerdem zum Bakterienübertritt auf die benachbarten Zähne, wodurch diese ebenfalls erkranken.

Die einzige Behandlungsmöglichkeit stellt die Extraktion (Entfernung) des erkrankten Zahnes dar. Sind mehrere Zähne betroffen, müssen meist auch die Gegenspieler im gegenüberliegenden Kiefer entfernt werden, da sie anderenfalls ungehindert wachsen würden.

Fäulness- und Entzündungsprozesse von Zähnen und Zahnfleisch können zu schwerwiegenden Kieferabszessen führen, die im fortgeschrittenen Stadium oft nicht mehr behandelbar sind und zum qualvollen Tod des Tieres führen. Dringen die ursächlichen Bakterien zuvor bis in die Blutbahn vor, verursachen sie eine tödlichen Blutvergiftung.

Artgerechte Nahrungsmittel enthalten keinerlei Inhaltsstoffe, die an den Zähnen haftend einen optimalen Nährboden für Bakterien bilden. Im Gegenteil besitzt insbesondere der Harz von Baumrinde eine antibakterielle Wirkung und reinigt dadurch auf natürliche Weise die Zähne.

Kiefererkrankungen

Ein weiteres Problem am Trockenfutter ist die Art und Weise, auf welche es von den Tieren zerkleinert wird: Körner und andere Nahrungsbestandteile ähnlicher Form werden nicht, wie es natürlich wäre, durch waagrechte Mahlbewegungen des Kiefers zerkleinert, sondern durch senkrecht ausgeübten Druck zwischen den Zähnen zerquetscht. Als langfristige Folge dieser unphysiologischen Belastung von Kaumuskulatur und Gebiss kommt es zu einer Lockerung der Zähne. Die infolgedessen ständige Reibung am Kieferknochen führt zu Entzündungen, Abszessen und Degenerationen (=Rückbildungen).

INFO: Zahnerkrankungen

Magenüberladung

Im Gegensatz zum rohfaserreichen Grün- und Raufutter, das ausgiebig gemahlen und verdaut wird, kann Trockenfutter von den Tieren regelrecht heruntergeschlungen werden - der Magen ist überfüllt, ehe überhaupt ein Sättigungsgefühl einsetzen kann. Auch kann ein sehr trockener Nahrungsbrei den Magenausgang verstopfen, was ähnliche Folgen nach sich zieht.

Trockenfutter besitzt die Eigenschaft, in Verbindung mit Flüssigkeit stark zu quellen. Der bereits überfüllte Magen wird dadurch noch weiter aufgebläht; dabei ist eine Vergrößerung um bis zu 400% möglich! Infolgedessen kann es zu massivem Druck auf Herz und Lungen kommen, was zur Atemnot und schlimmstenfalls zum Kreislaufversagen führt.

In anderen Extremfällen kommt es zu lebensgefährlichen Rupturen (=Einrissen) der Magenwand, infolge derer sich der Inhalt in die Bauchhöhle ergießt und schwere, i.d.R. tödliche Entzündungen verursacht.

In den meisten Fällen ist die Magenüberladung jedoch "nur" mit starken Schmerzen und evtl. Atembeschwerden verbunden, wodurch das Tier die Nahrung verweigert. In der Folge drohen lebensgefährliche Tympanien (=Aufgasungen).

Tympanien (=Aufgasungen)

Sie können einerseits Folge einer Magenüberladung sein, andererseits vom übermäßigen Verzehr von kohlenhydratreicher Nahrung (insbesondere zermahlenes Getreide, z.B. Pellets oder Mehl, aber auch Zucker, Honig, Trockenobst u.v.m.).

Zucker führt zu einer Senkung des PH-Wertes und somit einem unnatürlich sauren Milieu im Darm, in welchem die gutartige Darmflora nicht überleben kann. Stattdessen beginnen sich schädliche Bakterien zu vermehren und giftige Stoffwechselprodukte zu erzeugen.

Tympanien werden auch begünstigt durch die fein zermahlenen Fasern, aus welchen z.B. Pellets bestehen - denn infolge der fehlenden unverdaulichen Bestandteile, welche direkt am Blinddarm vorbei in den Grimmdarm geschleust werden, gelangt der komplette Nahrungsbrei zwecks Weiterverarbeitung in den Blinddarm. Dies hat eine stark verlangsamte Verdauung und dementsprechend viel Zeit für die Gärung zur Folge.

Ein aufgegaster Verdauungstrakt verdrängt die übrigen Organe, übt also u.a. Druck auf Herz und Lungen aus. Bei ausbleibender tierärztlicher Versorgung versterben die Tiere binnen kurzer Zeit an Atemnot oder allgemeinem Herz-Kreislaufversagen.

Chronischer Durchfall

Inhaltsstoffe, auf die der Verdauungstrakt des Kaninchens nicht ausgelegt ist, führen bei den meisten Tieren früher oder später zu chronischen Durchfällen. Hierzu gehören die gern untergemischten "Milch- und Molkereierzeugnisse", Zucker, Honig, Weizen, Roggen, zermahlenes Getreide u.v.m. Ebenso sind Durchfallsymptome mögliche Folge einer Zahnfehlstellung, die wiederum häufig durch Trockenfutterkonsum verursacht wird.

Frischfutterunverträglichkeiten

Ungeeignete Nahrungsbestandteile (Zucker, Honig, Milchprodukte, Weizen, Roggen, Körner, ...) sowie fein zermahlene und somit zerstörte Futtertstrukturen (Pellets, Mehl, ...) führen zu einer chronischen Reizung des Darms.

Dies hat entweder permanenten Durchfall zur Folge oder eine Unverträglichkeit der natürlichen Nahrung - des Frischfutters. Es ist schier unglaublich, dass in solchen Fällen sogar von einigen Tierärzten nicht etwa vom ursächlichen Futtermittel abgeraten wird, sondern von der artgerechten Nahrung (welche von einem gesunden Darm selbstverständlich ohne Probleme vertragen wird). Auf diese Weise wird nicht etwa die Ursache bekämpft, sondern das Symptom. Vor der eigentlichen Problematik kann man dann fortan die Augen verschließen - solange, bis ein neues, vielleicht tödliches Symptom zu Tage tritt.

Die Unverträglichkeit auf Frischfutter ist immer ein Alarmzeichen, da der Darm derartig geschädigt ist, dass das Kaninchen selbst seine artgerechte Nahrung nicht mehr verträgt. Hierfür kommen nicht nur Ernährungsfehler infrage, sondern z.B. auch Darmparasiten oder - im schlimmsten Fall - Darmkrebs.

Harnwegserkrankungen

Der Harntrakt der Kaninchen ist auf eine reichliche Flüssigkeitsaufnahme eingestellt - welche bei einer artgerechten Ernährung mit Frischfutter garantiert ist. Auf diese Weise werden überschüssiges Kalzium sowie eigedrungene Bakterien zügig wieder "ausgespült".

Konkremente (=Steine): Die Ausspülung von Kalzium ist von großer Bedeutung, da die Kalziumresorption im Darm der Kaninchen nicht etwa wie bei uns Menschen nach Bedarf, sondern nach Angebot geschieht.

Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr lagert sich das Kalzium inform von Kristallen in Nieren, Harnleitern und Blase an und führt zunächst zum sogenannten Grieß, auf Dauer zur Bildung von Steinen - die operativ entfernt werden müssen. Zwar trinken Kaninchen, die Trockenfutter fressen, mehr als artgerecht gefütterte Tiere - um die gleiche Menge an Flüssigkeit zu sich zu nehmen, müssten sie pro Tag allerdings mindestens einen halben Liter Wasser konsumieren, was in der Realität nicht geschieht.

Ein weiterer begünstigender Faktor für Konkremente ist die hohe Kalziumkonzentration, wie sie in viele Trockenfuttersorten zu finden ist; denn gerade in Kombination mit geringer Flüssigkeitsaufnahme stellt der Verzehr kalziumreicher Nahrungsmittel ein hohes Risiko dar.

Da es einerseits kaum Flüssigkeit enthält, andererseits die Aufnahme flüssigkeitshaltiger Futtermittel vermindert und zu allem Überschuss oft viel zu viel Kalzium enthält, begünstigt Trockenfutter auf dreifache Weise die schleichende Entwicklung von Konkrementen.

Zystitis (=Blasenentzündung): Bei artgerecht gefütterten und untergebrachten Tieren kommt es vergleichsweise selten zur Zystitis. Einen Grund dafür stellt die infolge der hohen Flüssigkeitszufuhr häufig erfolgende Blasenentleerung dar, wodurch Bakterien aus der Harnröhre gespült werden, ehe sie bis in die Blase vordringen, sich dort ansiedeln und vermehren können.

Bei einer Ernährung mit flüssigkeitsarmem Futter verbleibt der Urin vergleichsweise lange in der Blase - die Harnröhre wird dementsprechend selten "durchgespült". Dies gibt Bakterien die notwendige Zeit, durch die Harnröhre bis in die Blase vorzudringen und sich dort zu vermehren.

Eine weitere mögliche Ursache für Blasenentzündungen sind Grieß oder Steine in der Blase, welche ebenfalls durch Trockenfutter gefördert werden.

Adipositas (=Fettleibigkeit)

Fertigtrockenfutter verfügt über einen um ein Vielfaches höheren Kaloriengehalt als artgerechte Nahrung, was auf seiner ursprüngliche Funktion als Mastfutter für Schlachtkaninchen zurückzuführen ist.

Dies wird einerseits durch unnatürliche, nahrhafte Inhaltsstoffe (Nüsse, Getreide, tierische Nebenerzeugnisse, Zucker, ...), andererseits durch deren - infolge des Flüssigkeitsentzugs - hohe Konzentration erreicht.

Gerade kastrierte, auf zu engem Raum untergebrachte und gelangweilte Kaninchen fressen oft so viel Trockenfutter, dass sie erheblich übergewichtig werden. Mögliche Folgen eines adipösen Ernährungszustandes sind Herz-, Leber-, Stoffwechsel- (z.B. Diabates mellitus) und Gelenkserkrankungen (Arthrosen), wundgelaufene Fußsohlen, eine massiv erhöhte Stressanfälligkeit (hohes Risiko eines Herz-Kreislauf-Versagens bei Aufregung!) und allgemeine Trägheit.

Leberlipidose (=Fettleber)

Fettlebern werden nicht zwangsläufig von Adipositas (=Fettleibigkeit) begleitet, sondern können auch allein durch regelmäßige lange Fresspausen verursacht werden und betreffen daher Kaninchen sämtlicher Gewichtsklassen!

Die Erklärung für diesen Umstand ist folgende: Der hohe Energiegehalt des Trockenfutters hat eine schnelle, lang anhaltene Sättigung zur Folge und führt daher bei Kaninchen, die nicht aus Langeweile fressen, zu vergleichsweise langen Fresspausen. Aus diesem Grund sind unglücklicherweise gerade gut beschäftigte Tiere besonders gefährdet: Da der Organismus des Kaninchens auf zahlreiche, über den Tag verteilte Einzelmahlzeiten ausgelegt ist, wird ihm im Falle ausgedehnter Fresspausen eine Hungersnot vorgegaukelt. Infolgedessen werden Fettreserven eingeschmolzen und in der Leber eingelagert. Bei jahrelanger Fehlernährung kann es infolgedessen zum plötzlichen Tod durch akutes Leberversagen kommen, ohne dass zuvor jemals Symptome ersichtlich waren.

...und wenn meine Kaninchen gut damit zurechtkommen?

Die Ernährung mit Trockenfutter mag praktisch und unkompliziert erscheinen - gerade weil sich seine Auswirkungen auf die Gesundheit häufig erst spät bemerkbar machen. So treten Zahnprobleme wie ein fehlerhaftes Wachstum - sofern es nicht genetisch bedingt ist - oder Karies oftmals erst bei älteren Tieren auf, ebenso wie durch Übergewicht verursachte Problematiken (z.B. Diabetes mellitus, Herzerkrankungen,...), Fettleber, Blasen- und Nierensteine, die generell verkürzte Lebensdauer.

Sonstige Gesundheitsprobleme, die durch das infolge der Fehlernährung geschwächte Immunsystem begünstigt worden sind (z.B. Parasitenbefall, Ansteckender Kaninchenschnupfen oder Enzephalitozoonose) werden vom Besitzer selten mit der Fütterung in Zusammenhang gebracht.

Nur artgerechte Futtermittel wie frisches Wiesengrün und Zweige halten das Kaninchen langfristig gesund!

Selbstverständlich gibt es auch viele Tiere, die trotz eines reichlichen Trockenfutterangebots gesund und lange leben - ebenso, wie nicht jeder Raucher zwangsläufig irgendwann an Krebs erkrankt. Dies sollte jedoch kein Grund sein, die genannten Risiken einzugehen!

Gesundes Trockenfutter?

Immer wieder wird - meist von Privathändlern übers Internet - für angeblich gesundes Trockenfutter geworden. Je nach Sorte werden hierfür unterschiedliche Eigenschaften angepriesen:

Strukturiertes Trockenfutter

Diese Art von Trockenfutter ist die einzige, welche nicht direkt verantwortlich für Verdauungserkrankungen ist.

Die Antwort liegt auf der Hand: Dadurch, dass die Inhaltsstoffe naturbelassen sind, d.h. lediglich getrocknet, aber nicht zermahlen werden, bleibt ihre natürliche Struktur unberührt. Darmträgheiten infolge eines verarbeitungsbedingt hochverdaulichen Futterbreis sind demzufolge nicht zu befürchten. Ein ausreichender Anteil der Rohfaserpartikel ist - ebenso wie bei frischer Kost - groß genug, um direkt als "unverdaulich" ausgeschieden zu werden; d.h. die Darmpassage ist nicht verlangsamt.

Struktur-Trockenfutter eignet sich als Nahrungsergänzung für Kaninchen, die hauptsächlich mit Heu und Gemüse ernährt werden, als Beifutter im Winter sowie zum Päppeln für alte, kranke und/oder sehr leichtgewichtige Tiere sowie als Hilfsmittel bei der Umstellung von Trocken- auf Frischfutter. Keineswegs kann Struktur-Trockenfutter Frischkost ersetzen. Die Problematik des geringen Wassergehaltes liegt hier ebenso vor wie bei jedem anderen Trockenfutter (inklusive Heu).

Getreidefreies Trockenfutter

Ein Trend in der Heimtierhaltung ist momentan die getreidefreie Fütterung. Tatsächlich ist in Trockenfutter verarbeitetes Getreide für den Verdauungstrakt des Kaninchens gänzlich ungeeignet; das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass alles, was kein Getreide enthält, nicht ebenfalls massiv gesundheitsschädigend sein kann!

Trockenfutter, das sich ausschließlich aus Gräsern, Kräutern, Gemüse, Vitamin- und Mineralpräparaten zusammensetzt, ist sowohl artgerechter als auch kalorienärmer und daher inhaltlich betrachtet in jedem Fall besser geeignet als die meisten Fertigmischfuttersorten; alle anderen Problematiken (fehlende Flüssigkeit, hoher Energie- und Kalziumgehalt, verarbeitete und somit zerstörte Futterstruktur) bleiben jedoch bestehen und fördern die oben beschriebenen Erkrankungen.

Auch der Zahnabrieb wird allenfalls dadurch geringfügig gefördert, dass von getreidefreier Kost mehr gefressen werden muss als von "traditionellem" Mischfutter, um ein Sättigungsgefühl zu erzielen. Die durch industrielle Verarbeitung zerstörte Struktur der Rohfaser ist für das Gebiss allerdings keine Herausforderung; somit ist getreidefreies Trockenfutter kaum zahnfreundlicher als getreidehaltiges.

Rohfaserreiches Trockenfutter

Von Experten wird heutzutage ein Rohfasergehalt von mindestens 15% im Trockenfutter empfohlen. Die Tatsache, dass zermahlene Rohfaser, wie sie z.B. in Pellets enthalten ist, dem Kaninchen kaum mehr etwas nützt, ist den meisten Haltern leider unbekannt.

Weder wird der Zahnabrieb durch das pelettierte Futtermehl in irgendeiner Weise gefördert, noch profitiert die Verdauung davon - im Gegenteil: Nur grobe Rohfaserpartikel, die größer als 0,3mm sind, werden direkt am Blinddarm vorbeischleust und als Hartkot ausgeschieden; ein Vorgang, der die Verdauung in Schwung hält, der Vermehrung pathogener Keime und somit Aufgasungen vorbeugt. Ein ausschließlich aus kleineren Partikeln bestehender Nahrungsbrei hingegen ist hochverdaulich, gelangt also zur weiteren Verdauung komplett in den Blinddarm. Es droht ein erhebliches Fehlgärungsrisiko.

Rohfaser ist daher nicht gleich Rohfaser - wichtig ist, dass sie in naturbelassener Form vorliegt. Dies ist lediglich beim seit kurzem erhältlichen sogenannten "Struktur-Trockenfutter" der Fall.

Kalziumarmes Trockenfutter

Um dem Halter die Angst vor Kalzinose (Grieß und Steine im Harntrakt) zu nehmen, werden spezielle Trockenfuttersorten hergestellt, die einen geringen Gehalt an Kalzium aufweisen. Prophylaxe in dieser Art ist jedoch mehr als fragwürdig.

Grundsätzlich wird das Risiko von Kalzinosen natürlich verringert, wenn das Kaninchen nicht mehr Kalzium als notwendig zu sich nimmt. Die wichtigste Vorsorgemaßnahme gegen Harngrieß und Nierenverkalkung sowie gegen Blasenentzündungen, nicht zuletzt auch Verdauungserkrankungen ist und bleibt jedoch eine hohe Flüssigkeitszufuhr - und die erfolgt mit kalziumarmem Trockenfutter ebenso wenig wie mit kalziumreichem.

Denken Sie stets daran, dass Kalzium ein lebensnotwendiger und bei artgerechter Fütterung völlig unproblematischer Mineralstoff ist, da selbst kalziumreiche Frischfuttersorten zugleich so viel Flüssigkeit enthalten, dass überschüssige Mineralien einfach wieder ausgespült werden können.

Pelletiertes Trockenfutter

"Pellets sind zur Ernährung besser geeignet als Mischfutter, weil das Kaninchen nicht selektieren kann." - Diese Ansicht ist weit verbreitet, was bei dem erhältlichen Mischfutterangebot auch kaum verwunderlich ist: Denn süße, unnatürliche Futterbestandteile, oft mit künstlichen Aromen versetzt, werden den gesunden vorgezogen, was bei unbegrenztem Angebot selbstverständlich zu Mangelerscheinungen führen kann. Frisst ein Kaninchen hingegen pelletiertes Futter, ist es gezwungen, alle Inhaltsstoffe gleichermaßen zu sich zu nehmen.

Zu bedenken gilt jedoch:

Ein Kaninchen selektiert nur dann zu seinen Ungunsten, wenn es mit unnatürlichen Substanzen konfrontiert wird, über welche ihm das instinktive Wissen fehlt.

Das heißt im Umkehrschluss: Ein Kaninchen, das vernünftig gehalten wird und dem durchweg artgerechte Futtermittel angeboten werden, kann sehr gut selbstständig entscheiden, wie viel es wovon frisst. In diesem Fall ist Pelletfütterung sogar kontraproduktiv: Denn hier hat das Kaninchen keine Möglichkeit, nach Bedarf zu fressen, obwohl es dazu instinktiv fähig wäre.

Ein Fressen nach Bedarf - vermutlich die wirkungsvollste Gesundheitsprophylaxe überhaupt! - ist bei einem ständigen, beliebigen Angebot an Wiese, Gehölzen, Gemüse, naturbelassenem Getreide usw. gut möglich, nicht jedoch bei der Ernährung mit Pellets oder handelsüblichen "Snacks" oder bei einer ausschließlichen Ernährung mit Heu und Gemüse.

Dass Kaninchen mit nicht-artgerechter Kost nicht umzugehen wissen, kann daher kein Argument für eine Pelletfütterung darstellen.

Die wohl größte Gefahr geht jedoch von der Konsistenz eines pelletierten Futtermittels aus:

Die Herstellung von Pellets erfolgt, indem die Inhaltsstoffe fein vermahlen, zu einer Masse verarbeitet und anschließend in ihre typische Form gepresst werden.

Die ursprüngliche Struktur der Inhaltsstoffe wird durch diese Prozedur komplett zunichte gemacht. Das bedeutet u.a., dass die enthaltene Rohfaser nicht mehr als solche verwertbar ist - durch die Partikelgröße von weniger als 0,3mm passiert sie den Darm keineswegs zügig - wie Ballaststoffe es tun sollten, ehe sie mit dem Hartkot ausgeschieden werden - , sondern der gesamte Nahrungsbrei ist hochverdaulich, gelangt komplett in den Blinddarm und bleibt so lange dort, dass es zu schweren Fehlgärungsprozessen und der Ansiedelung von Krankheitserregern kommen kann.

Auch eventuell enthaltenes Getreide wird erst dadurch zum echten Problem, dass die Rohfaser des Spelzes nicht mehr in ihrer natürlichen Struktur vorliegt, sondern zusammen mit dem Mehlkörper zu einer hochverdaulichen Masse ohne jegliche grobe Partikel zermahlen wurde.

Der Zahnabrieb erfolgt nur sehr mäßig, da die aus gepresstem Futtermehl bestehenden Pellets im Nu zerkleinert werden können.