Fütterungsprobleme erkennen und beheben

Frischfutterunverträglichkeit?

Ursachen

Vorangegangene Fehlernährung

Erscheint eine Futterumstellung auf gesunde Kost nicht möglich, da die Kaninchen mit Durchfall und/oder Aufgasungen aufs Frischfutter reagieren, ist daran nicht das Frischfutter selbst schuld, sondern entweder eine Zahnproblematik oder aber die vorangegangene Fehlernährung, welche den Verdauungstrakt der Tiere bereits erheblich geschädigt hat.

Zahnerkrankungen

Im Falle einer Zahnproblematik ist das Kaninchen zu keiner ausreichenden Nahrungszerkleinerung in der Lage, wodurch zu große und dementsprechend schwer verdauliche Futterbestandteile abgeschluckt werden. Da Frischfutter schneller gärt als Trockenfutter, treten die Verdauungsstörungen zunächst nur hier auf. Mit einem Frischfuttervorenthalt erfolgt daher keine ursächliche, sondern lediglich eine symptomatische Behandlung - die meist noch nicht einmal von Dauer ist, da unbehandelte Zahnproblematiken sich im Laufe der Zeit weiter verschlimmern.

In jedem Fall ist es bei scheinbaren Frischfutterunverträglichkeiten umso wichtiger, die Kaninchen für die Zukunft gesund zu ernähren, um den gesundheitlichen Schäden entgegenzuwirken!

Anpassung der Darmflora

Da der Verdauungstrakt sich zwecks Überlebenssicherung auch auf ungeeignete Kost anzupassen versucht, reagieren Kaninchen, die bereits über einen längeren Zeitraum hinweg falsch ernährt wurden, oft besonders sensibel auf Futterumstellungen. Dies gilt vor allem für die nährstoffreichen Jungpflanzen des Frühjahrs, aber auch gespritztes Gemüse aus dem Lebensmittelladen. Am unproblematischsten ist daher eine im Spätsommer erfolgende Umstellung.

Die Umstellung möglich machen

Bedenken Sie stets, dass Pflanzen und ihre frischen (!) Bestandteile das Alleinfutter der Wildkaninchen darstellen - ihr Verdauungstrakt hat sich über Tausende von Generationen hinweg dem Angebot der Natur angepasst. Eine Umstellung auf die natürliche Ernährung ist daher, auch wenn sie zu Anfang mitunter viel Feingefühl erfordert, in jedem Fall die richtige Entscheidung!

Folgende Tipps haben sich bei extrem sensiblen Kaninchen bewährt:

Struktur-Trockenfutter

Schädliches Trockenfutter muss, anders als oftmals behauptet, keineswegs "langsam ausgeschlichen" werden. Sie können es direkt 1:1 durch ein darmschonendes Trockenfutter ersetzen. Ein solches besteht vor allem aus getrockneten Blättern, Gräsern, Kräutern und Blüten, kleinen Mengen Saaten, (glutenfreiem) Getreide im Spelz, einigen Obst- und Gemüsechips und anderen unverarbeiteten, gut verträglichen Bestandteilen.

Der direkte Ersatz von handelsüblichem Trockenfutter durch ein strukturiertes Trockenfutter stellt keine abrupte Futterumstellung dar, da der Flüssigkeitsgehalt sich nicht verändert. Daher kommt der Kaninchendarm in aller Regel problemlos damit zurecht.

Strukturiertes Trockenfutter können Sie aus den o.g. Bestandteilen selber mischen oder Sie bestellen eine fertige Mischung im Internet. Wichtig ist, dass alle Inhaltsstoffe in ihrer natürlichen Struktur vorliegen - nur dann sind sie verdauungsschonend. Insbesondere sollten keine Pellets oder anderweitig zermahlenes Getreide im Futter enthalten sein. Weiterhin muss das Futter unbedingt frei von glutenhaltigem Getreide wie Weizen oder Roggen sein - diese sind die Hauptursache für Verdauungsprobleme.

Solange die Kaninchen Verdauungsbeschwerden haben, darf noch kein Frischfutter gereicht werden. Der Darm muss sich vor der Umstellung zunächst regenerieren. Dies erfolgt meist innerhalb weniger Tage, in denen Sie ausschließlich Heu und die o.g. unschädlichen Futtermittel reichen. Bei Kaninchen mit chronischem Durchfall sollten Sie das Futter selber mischen und dabei ausschließlich getrocknete Kräuter, Blätter und Blüter verwenden, da kohlenhydratreiche Futtermittel wie z.B. Getreide und Trockenobst von einem angeschlagenen Darm nicht gut verdaut werden können.

Sobald die Kaninchen keinerlei Verdauungsbeschwerden mehr zeigen, beginnen Sie ganz allmählich mit der Umstellung auf Frischfutter.

Sorten

Füttern Sie zu Beginn der Umstellung keine potentiell blähenden Futtermittel wie beispielsweise Klee oder Kohl. Auch nasses Frischfutter kann jetzt unter Umständen noch problematisch sein. Verträglicher als die eiweißreichen Jungpflanzen des Frühjahrs ist Grasbewuchs aus dem Spätsommer.

Mengen

Starten Sie konsequent mit ein bis zwei Blättchen oder wenigen Grashalmen pro Tier und Tag und steigern Sie die Menge vorsichtig. Beim Auftreten von Durchfall kehren Sie zunächst zu der Menge zurück, welche das Tier noch gut vertragen hat, und steigern Sie sie beim nächsten Mal geringfügiger.Heu-Wasser-Diäten sind hier gänzlich ungeeignet, da damit eine weitere Futterumstellung vorgenommen und das Tier auf die nächste Frischfutterration noch empfindlicher reagieren würde.

Herkunft

Sammeln Sie möglichst kein Grünfutter in der Nähe stark befahrener Straßen oder "Hundewiesen". Besser geeignet ist das Pflücken im Garten, auf Spielplätzen oder aus dem eigenen Blumentopf.

Gemüse ist am besten verträglich, wenn Sie es im Bio-Laden besorgen; bei sensiblen Tieren kommt es anderenfalls mitunter zu Reaktionen auf Düngemittelrückstände. Wird gespritztes Gemüse gefüttert, sollte dieses zumindest gründlich gewaschen werden.

Zusammensetzung

Nehmen Sie keine abrupten Änderungen in der Zusammesetzung des Grünfutters vor. Bleiben Sie z.B. bei einer ausgeglichenen Mischung aus Gräsern, Löwenzahn, Wegerich und Scharfgabe und steigern Sie die Menge aller gereichten Futterpflanzen gleichermaßen.

Fütterungsreihenfolge

Reichen Sie morgens grundsätzlich als erstes hochwertiges Heu - selbst, wenn noch ausreichend Heu vom Vortag vorhanden ist. Sie werden staunen, wie positiv die vermeintlich satten Tiere auf die frisch aus der Tüte geholten Hälmchen reagieren. Durch die Fütterung von Heu, an das die Kaninchen bereits gewöhnt sind, wird die Verdauung der Tiere schonend angekurbelt und das erst mehrere Stunden später gereichte Grünfutter besser vertragen.

Umstellung einer Gruppe

Müssen mehrere Tiere umgestellt werden, empfiehlt es sich, sie einzeln aus der Hand zu füttern, um sicherzugehen, dass jedes von ihnen die abgestimmte Ration erhält. Dies ist in der Regel unproblematisch, da die meisten Kaninchen, die kein Grünfutter gewohnt sind, heißhungrig darauf reagieren und es Ihnen gerne abnehmen werden.