Infektionskrankheiten

Enzephalitozoonose

Geborgenheit durch Gesellschaft

Bild von Sabrina Bier

Erreger: Protozoon

Bei der Enzephalitozoonose, verursacht durch den Einzeller Enzephalitozoon cuniculi, handelt es sich um eine weit verbreitete Infektionskrankheit der Kaninchen mit enorm vielfältiger Symptomatik.

Es ist davon auszugehen, dass mindestens die Hälfte der gesamten Kaninchenpopulation - zum Großteil latent (=verborgen) - mit E. cuniculi infiziert ist und somit eine Ansteckungsquelle für andere Kaninchen darstellt.

Die Enzephalitozoonose ist vermutlich auf nahezu alle Säugetiere übertragbar, die Wahrscheinlichkeit eines Erkrankungsausbruchs variiert aber je nach Art: So sind Menschen nach heutigem Kenntnisstand der Wissenschaft nur bei starker Immunsuppression, wie z.B. durch Chemotherapie, AIDS oder nach einer Organtransplantation, gefährdet, während beim Kaninchen oft bereits vergleichsweise geringe Stresssituationen ausreichen, um einen Erkrankungsausbruch auszulösen.

Infektion

Übertragung:

Begünstigende Faktoren:

Die Infektion erfolgt oftmals bereits über die Plazenta im Mutterleib, aber auch direkt über den Kontakt zu Artgenossen oder indirekt über kontaminierte Gegenstände, Kot, Futter, Streu oder einen Menschen, der zuvor ein infiziertes Tier gestreichelt hat. Ein Kaninchen bleibt mitunter jahrelang latent infiziert, ehe die Erkankung ausbricht – oder bleibt sogar ein Leben lang völlig symptomfrei.

Symptomatik

Sämtliche der folgenden Symptome können entweder kombiniert oder unabhängig voneinander, in manchen Fällen sogar einzeln auftreten:

Zentrales Nervensystem:

Augen & Nase:

Magen-Darm-Trakt:

Harntrakt:

Der akute Krankheitsverlauf geht meist mit schweren neurologischen (=das Nervensystem betreffenden) Ausfallerscheinungen einher:

Kopfschiefhaltung: Das häufigste Symptom stellt eine unterschiedlich stark ausgeprägte, in schweren Fällen fast 180° betragende Kopfschiefhaltung dar, die mitunter dazu führt, dass das Kaninchen sich nicht mehr koordiniert fortbewegen kann.

Ataxien (=Bewegungsstörungen): Koordinationsstörungen stellen das zweithäufigste Symptom dar: Das Kaninchen bewegt sich torkelnd oder “krabbelnd” fort, rollt sich über den Boden, läuft nur noch im Kreis, dreht sich beim Laufen pausenlos um die eigene Achse und/oder fällt beim Hoppeln um; in weniger schweren Fällen verliert es “nur” beim Putzen und Männchenmachen das Gleichgewicht, stolpert desöfteren über Hindernisse und macht insgesamt einen “tollpatschigen” Eindruck.

Epilepsie: Häufiges Symptom sind mehr oder weniger häufig auftretende epileptische Anfälle, während derer das Kaninchen plötzlich spastisch zu krampfen beginnt, wobei es sich unwillkürlich auf dem Boden wälzt und weder ansprechbar ist noch beruhigt werden kann.

Opisthotonus: Bei vielen Kaninchen kommt es zu starren Krämpfen der Nacken- und Rückenmuskulatur, was sich in einem Aufreißen des Mäulchens, einem Biegen des Kopfes in den Nacken und einer bewegungslosen Körperhaltung äußert.

Lähmungen: Besonders häufig sind Lähmungen der Hintergliedmaßen zu beobachten. Das Kaninchen verdreht dann häufig beim Sitzen seinen Hinterleib, sodass beide Beine auf derselben Seite zu liegen kommen, und schleift die Beine beim Laufen hinter sich her.

Zentrale Blind- und Taubheit: Das Kaninchen kann plötzlich weder hören noch sehen und verhält sich in der Folge entweder ungewohnt teilnahmslos und apathisch oder aber stark verunsichert, orientierungslos und schreckhaft: Auch plötzliche Panikattacken sind möglich.

Anfälle: Das Kaninchen rennt ohne ersichtlichen Grund panisch umher, springt gegen Wände, Gitter und Gegenstände.

"Kopfwiegen": Chronische Enzephalitozoonose-Patienten sowie Kaninchen, bei denen der akute Ausbruch erst bevorsteht, führen manchmal ganz spezifische Kopfbewegungen aus, die wenig dramatisch erscheinen, aber immer als ernstes Krankheitsindiz betrachtet werden sollten: Der Kopf wird hierbei ohne ersichtlichen Grund langsam nach rechts oder links bewegt, ehe das Kaninchen die Position - meist zügig - "korrigiert" und die Prozedur von neuem beginnt.

"Trance"-Zustände: Einige erkrankte Kaninchen verfallen regelmäßig in „Trance“-Zustände, in welchen sie reglos und offenbar völlig in sich gekehrt verharren. Durch Berührungen oder akustische Reize können sie i.d.R. "wachgerüttelt" werden.

Bei einem chronischen Krankheitsverlauf beschränken sich die Symptome nicht selten auf nur ein Organsystem. Neurologische Auffälligkeiten sind hierbei also keineswegs zwingend.

span class="red">Harninkontinenz: Kaninchen, die chronisch "einnässen", sind immer als potenzielle E.cuniculi-Patienten zu betrachten. Insbesondere, wenn Röntgen-, Ultraschall-, Urin- und Blutuntersuchungen keinen Hinweis auf die Ursache liefern, ist eine E.C.-bedingte Inkontinenz sehr wahrscheinlich.

Derlei Kaninchen können ihren Harnabsatz nicht steuern und leiden oftmals an permanent durchnässtem Hinterteil, Bauch- und Genitalbereich. Auch die Hinterläufe sind z.T. betroffen. Die Folge sind schmerzhafte chronischen Hautentzündungen und bei Tieren in Außenhaltung auch häufig Verkühlungen und Blasenentzündungen.

Nierenschädigungen: Neben Augen und Gehirn am häufigsten betroffen von E. cuniculi sind die Nieren. Der Krankheitsverlauf erfolgt im Falle einer Nierenverkalkung oder anderweitigen -insuffizienz i.d.R. schleichend; in vielen Fällen sind die Nieren mit Auftreten der ersten neurologischen Auffälligkeiten bereits stark und irreparabel geschädigt.

Das diesbezügliche Dilemma besteht darin, dass Symptome und selbst Veränderungen der Blutwerte erst erkennbar sind, wenn die Nieren bereits mindestens 70% ihrer Funktionstüchtigkeit eingebüßt haben. In diesem Fall kommt es zunächst zur Gewichtsabnahme, struppigem, glanzlosem Fell und schließlich einem gering- bis hochgradig gestörten Allgemeinbefinden. Verstärkter Durst und Urinabsatz können, müssen jedoch nicht auftreten.

Im Falle einer Nierenentzündung kann es innerhalb kürzester Zeit zu starker Abmagerung kommen. Wird das betroffene Kaninchen rechtzeitig gegen E. cuniculi und mittels einer Infusionstherapie behandelt, bestehen gute Chancen, dass keine dauerhaften Schädigungen zurückbleiben.

Linsentrübung (Grauer Star): Die Linsentrübung gehört zu den häufigsten durch Enzephalitozoonose verursachten Organschäden, kann beim chronischen Krankheitsverlauf unabhängig von neurologischen Ausfällen auftreten und sollte daher auch bei älteren, scheinbar gesunden Tieren grundsätzlich als Alarmsignal aufgefasst werden.

Beim Grauen Star verliert die Pupille mit der Zeit sichtlich an Glanz und nimmt zunehmend eine grau-blaue, trübe Färbung ein. Da dies meist über einen gewissen Zeitraum hinweg geschieht, stellen sich die Kaninchen gut auf die zunehmende Blindheit ein und können sich in vertrauter Umgebung problemlos orientieren. Einzig Sprünge werden im fortgeschrittenen Stadium zusehens vermieden, da das Kaninchen den Zielort nicht mehr anpeilen kann.

Anderweitige Verhaltensauffälligkeiten sind oft erst zu beobachten, wenn plötzlich etwas umgestellt, in den Weg gelegt oder auf sonstige Weise verändert wird.

Augenentzündungen: Chronische Augenentzündungen, die anderweitige medikamentös nicht in den Griff bekommen werden, können ebenfalls auf einen Befall mit E. Cuniculi hindeuten. Eine Titerbestimmung kann in diesem Fall Aufschluss geben.

Phakoklastische Uveitis: Eine Besiedelung der Augenlinse durch E. Cuniculi kann zu einem Einriss der selbigen führen; es kommt zum Austritt von Eiweiß, der anhand von weißen Flecken oder Fäden im sichtbaren Bereich des Auges erkennbar ist.

Schnupfen: Chronische Schnupfer sollten immer zumindest probehalber auch auf Enzephalitozoonose behandelt werden. Zum Teil gehen die Symptome deutlich zurück oder verschwinden sogar gänzlich.

Da sämtliche Organe - auch unabhängig voneinander - von E. cuniculi befallen werden können, sollten Kaninchen mit Krankheitssymptomen ungeklärter Ursache immer auch mittels Fenbendazol auf Enzephalitozoonose behandelt werden.

Medikamentöse Nebenwirkungen sind auch über einen längeren Zeitraum hinweg nicht zu erwarten.

Diagnostik

Besteht aufgrund des klinischen Bildes der Verdacht auf einen akuten E. cuniculi-Ausbruch muss umgehend mit der Behandlung begonnen werden – ein vorheriges Warten aufs Blutergebnis verschlechtert die Prognose erheblich!

Ein akuter Ausbruch kennzeichnet sich normalerweise durch eine plötzlich auftretende Symptomatik des Zentralnervensystems (s.o.). Hier muss in jedem Fall unverzüglich eine Behandlung erfolgen.

Treten hingegen lediglich andere Symptome auf, i.B. wenn sie sich auf nur ein Organsystem beschränken, empfiehlt es sich, vorerst anderweitige Ursachen auszuschließen. Eine E.C.-Notbehandlung ist hier in aller Regel nicht erforderlich, und Sie vermeiden sowohl eine unnötige Medikamentenverabreichung als auch das Risiko, dass eine andere Erkrankung unerkannt bleibt. Zwar schadet eine Fenbendazol-Behandlung grundsätzlich nicht, doch ohne konkreten Anlass sollte sie trotzdem nicht erfolgen; anderenfalls riskieren Sie, dass die Erreger mit der Zeit Resistenzen gegen den Wirkstoff bilden und im Ernstfall nicht mehr angreifbar sind.

Antikörper gegen E. cuniculi können nur durch eine spezielle Blutuntersuchung eindeutig nachgewiesen werden. Allerdings liefert allein die Existenz von Antikörpern keinen Beweis für einen Krankheitsausbruch, da die Mehrzahl aller Kaninchen irgendwann in ihrem Leben bereits mit dem Erreger in Kontakt kam und daraufhin Antikörper gebildet hat – ohne, dass jemals Symptome zu beobachten waren.

Aus diesem Grund ist ein sogenannter “Tusche-Test”, bei dem lediglich eine “Positiv”- oder “Negativ”-Angabe erfolgt, nur im Falle einer Negativ-Angabe aussagekräftig. Entscheidend ist die Höhe der Antikörperzahl; diese kann in der Regel nur von einem Labor festgestellt werden, weswegen das vom Tierarzt entnommene Blut zunächst eingeschickt werden muss.

Je höher der Titer (=Antikörperspiegel), desto wahrscheinlicher ist ein akuter Erkrankungsausbruch. Daher wird über die Fortsetzung der Therapie entschieden, sobald das Blutergebnis ausgewertet wurde.

Es stellt sich jedoch die Frage, ob ein Therapieabbruch bei geringem Titer überhaupt sinnvoll ist, denn auch hierdurch riskieren Sie, dass die (wenigen) vorhandenen Erreger gegen den Wirkstoff resistent werden und das Medikament bei einem tatsächlichen Erkrankungsausbruch nicht mehr (ausreichend) anschlägt.

Ich rate Ihnen grundsätzlich davon ab, eine Fenbendazol-Therapie vor dem 5. Tag abzubrechen.

Therapie

Akut an E. cuniculi erkrankte Kaninchen sind immer ein Notfall und gehören auch nachts oder feiertags unverzüglich in tierärztliche Behandlung! Das Risiko irreparabler, oft tödlicher Folgeschäden erhöht sich fortwährend, je länger gewartet wird.

Standard-Therapie

Fenbendazol:Fenbendazol, da dieser den Erreger abtötet. Zwar wird seine Wirkung gelegentlich in Frage gestellt, da der Wirkstoff nicht gehirngängig sei. Allerdings führt ein Erkrankungsausbruch der Enzephalitozoonose vermutlich zu einer Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, d.h. selbst Medikamente, die hier im Normalfall ihre Grenze erreicht hätten, können ihre Wirkung voll entfalten.

Tatsächlich ist die Wirkung von Fenbendazol wissenschaftlich nicht belegt. Die bahnbrechenden Erfolge, welche eine Behandlung tagtäglich bei unzähligen Kaninchen mit sich bringt, sprechen jedoch Bände. Insbesondere Tiere, die seit längerer Zeit an Symptomen ungeklärter Ursache leiden (z.B. Durchfall, Inkontinenz, ...) und bei denen sich oft bereits vom ersten Tag der Fenbendazol-Behandlung an Besserungen zeigen, haben sicherlich nicht vom Plazebo-Effekt profitiert...

Infusionen: Im Falle eines akuten Ausbruches sollten allein prophylaktisch über einige Tage hinweg subkutane Infusionen verabreichen, um zu verhindern, dass sich der Erreger in den Nieren festsetzt und dort zu Schädigungen führt.

Sind im Blutprofil bereits Nierenschädigungen erkennbar, muss die tägliche Infusionstherapie fortgesetzt werden, bis sich die Blutwerte wieder im Normbereich befinden. Anschließend können die Intervalle zwischen den Infusionen allmählich vergrößert werden. Sie sollten jedoch unbedingt die Blutwerte im Auge behalten; steigen die Nierenwerte erneut an, sind wieder häufigere Infusionen nötig.

Anti- und Probiotikum:Um Sekundärinfektionen (weitere Infektionen infolge des angeschlagenen Immunsystemes) zu vermeiden, sollte im Falle eines akuten Krankheitsausbruches zusätzlich ein Antibiotikum verabreicht werden. Ganz besonders wichtig ist diese Maßnahme, wenn der Patient aufgrund schwerer ZNS-Symptome auch mit Cortison behandelt wird.

Cortison: Der Einsatz von Cortison ist umstritten, da hierdurch eine zusätzliche Immunsuppression erfolgt, welche dem Erreger wiederum die Vermehrung erleichtert. Nur bei schweren ZNS-Symptomen (z.B. Lähmungen, permanentes Drehen und die eigene Achse, starke Kopfschiefhaltung), die auf massive Entzündungserscheinungen im Gehirn hindeuten, ist eine Cortisonbehandlung anzuraten.

Weitere Therapiemaßnahmen je nach Beschwerden

Je nach individuellem Krankheitsbild kann für eine erfolgreiche Therapie eine Reihe weiterer Maßnahmen notwendig oder zumindest hilfreich sein.

Vitamin-B-Komplex: Bei neurologischen Ausfällen jeglicher Art ist die Verabreichung eines Vitamin-B-Komplexes zur Unterstützung des Nervensystems dringend anzuraten.

Neytroph-Tropfen: Ein Heilmittel aus der Alternativmedizin, das den Krankheitsverlauf in Kombination mit den Standardmedikamenten positiv unterstützen kann.

Infusionen: Bei einer irreparablen Schädigung der Nieren ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr von großer Bedeutung; das Kaninchen sollte daher infundiert werden, bis sich die Nierenwerte (Kreatinin und Harnstoff) wieder im Referenzbereich befinden.

Mitunter kann die Lebenserwartung entscheidend erhöht werden, wenn das Kaninchen auch nach klinischer Besserung noch regelmäßig, d.h. alle 1-3 Tage, subkutan (= unter die Haut) infundiert wird. Um sich und dem Tier Stress zu ersparen, können Sie sich diese zehn- bis fünfzehnminütige Maßnahme vom Tierarzt zeigen lassen und fortan selbstständig zu Hause durchführen. Info

Fütterung: Bei Kaninchen, die nicht selbstständig fressen können oder wollen, ist die Zwangsfütterung von überlebenswichtiger Bedeutung. Info

Zufüttern: Auch Kaninchen, die selbstständig fressen, sollten möglichst kalorienreiches Futter wie Wurzel- und Knollengemüse, bei Bedarf zusätzlich einen Teelöffel Getreideflocken oder Sämereien pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, erhalten, wenn sie infolge der Erkrankung – z.B. infolge einer Niereninsuffizienz oder chronischen Verdauungsbeschwerden – untergewichtig sind.

Physiotherapie: Um zurückbleibene Schäden von Ataxien (= Bewegungsstörungen) so gering wie möglich zu halten, empfiehlt sich eine tägliche Physiotherapie. Auch Patienten mit zurückbleibenden Schäden können von einer dauerhaften regelmäßigen Physiotherapie profitieren.

Hierzu gehören z.B. das Bewegen der Gelenke, Gleichgewichtsübungen (z.B. durch Animation zum Männchenmachen) sowie das Provozieren von Reflexen und Bewegungen (z.B. vorsichtiges Ziehen an einzelnen Gliedmaßen, "Kitzeln" der Fußsohle, ...). Ihr Tierarzt zeigt Ihnen gerne, was Sie leicht und ohne größeren Stress zu Hause "trainieren" können.

Lagerung und Umlagerung: Kaninchen, die sich nicht mehr fortbewegen können, müssen weich gelagert und mehrmals täglich gewendet werden, bis sie wieder selbstständig dazu in der Lage sind. Achten Sie darauf, dass das Tier aufgrund seiner Bewegungsunfähigkeit nicht unterkühlt! Ein mit Decken oder Kissen gepolstertes Körbchen, in das bei Bedarf auch eine Wärmeflasche o.ä. gelegt werden kann, leistet hier gute Dienste. Um Verunreinigungen in Grenzen zu halten, fragen Sie beim Tierarzt nach speziellen Krankenunterlagen.

Musiktherapie: Was erst einmal ungewöhnlich klingen mag, kann Enzephalitozoonose-Patienten mit Trance-Symptomatik durchaus helfen: Über einen längeren Zeitraum hinweg können die oben beschriebenen Trance-Zustände durchaus problematisch werden, da die Tiere währenddessen z.B. keine Nahrung aufnehmen. Allerdings reagieren die Kaninchen meist auf sensorische und akustische Reize.

Das Abspielen leiser, harmonischer Musik, eines Hörbuches o.ä. kann verhindern, dass das Kaninchen in einen Trance-Zustand verfällt. Wichtig ist, Lautstärke, Tonhöhe und Tonlage sorgfältig anzupassen, um die Tiere keinesfalls unter Stress zu setzen.

Gesellschaft: Erkrankte Kaninchen sollten wenn irgend möglich nicht von ihren Artgenossen - zumindest nicht von allen - getrennt werden! Dies würde zusätzlichen Stress für das Tier bedeuten und sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken.

Je nach Schweregrad der Erkrankung lassen Sie das Kaninchen entweder in seiner gewohnten Umgebung oder gesellen ihm damindest den Artgenossen dazu, mit dem es die innigste Freundschaft pflegt. Die Trennung aus Angst vor einer Ansteckung ist unbegründet, da Kaninchen derselben Gruppe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits infiziert sind. Erkrankungsausbrüche sind jedoch nach wie vor nur infolge eines geschwächten Immunsystems zu befürchten; anders herum wird die Wahrscheinlichkeit eines Erkrankungsausbruch bei den Artgenossen nicht reduziert, indem man das akut erkrankte Kaninchen nachträglich isoliert.

Prognose

Die Prognose ist v.a. im akuten Krankheitsfall als sehr vorsichtig zu bewerten; denn selbst, wenn das Kaninchen nicht an der Erkrankung verstirbt, behält es mitunter so schwere Folgeschäden zurück, dass es euthanasiert werden muss.

Dazu gehören Kaninchen, deren Hinterbeine gelähmt bleiben, die aufgrund ihrer Kopfschiefhaltung unfähig sind zu fressen, die sich wegen ihrer Ataxien kaum noch fortbewegen oder nur noch im Kreis laufen können.

Akuter Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf akut erkrankter Kaninchen ist abhängig von Art und Schweregrad der Symptome sowie der bis zur Erstmedikation verstrichenen Zeit.

Einige Kaninchen sprechen bereits nach einem Tag gut auf die verabreichten Medikamente an, bei besonders stark betroffenen Tieren kann die Stabilisierung hingegen bis zu einer Woche auf sich warten lassen; d.h., währenddessen ist sogar eine weitere Verschlechterung der Symptomatik durchaus möglich. Sie sollten Ihrem Kaninchen daher auch dann, wenn es ihm aktuell sehr schlecht geht, mindestens eine Woche lang eine Chance geben.

Ob und innerhalb welchen Zeitraumes die vollständige Genesung erfolgt, ist nicht vorhersagbar: Manche Kaninchen wirken bereits nach wenigen Tagen wieder kerngesund, andere benötigen Monate, bis die neurologischen Symptome ganz abgeklungen sind – oder behalten ein Leben lang Koordinationsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes zurück.

Chronischer Krankheitsverlauf

Die Ausheilung der Enzephalitozoonose ist nicht möglich. Infolgedessen bleiben Kaninchen ein Leben lang chronisch infiziert. In vielen Fällen kommt es nie wieder zum Erkrankungsausbruch; andere Kaninchen leiden immer wieder an Rückfällen. Oftmals behält das Tier auch leichte Symptome zurück, die sich entweder nie verändern oder aber im Laufe der Monate und Jahre schleichend verschlechtern.

Im Falle häufiger Rückfälle oder einer permanenten Verschlechterung der Symptome sollte eine Dauermedikation mit Fenbendazol erwogen werden. Da E. cuniculi jedoch vermutlich zur Resistenzbildung gegenüber dem Wirkstoff in der Lage ist, sollten Sie in Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt sorgsam die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Grundsätzlich ist eine Dauermedikation anzuraten, wenn das Kaninchen anderenfalls sichtlich unter der Erkrankung leidet – z.B. da es sich zunehmend schlechter fortbewegen kann oder immer wieder von Krampfanfällen geplagt wird.

Ein Mittelweg besteht darin, im Wechsel über vier Wochen Fenbendazol zu verabreichen und vier- bis achtwöchige Pausen einzulegen. Ob dies zur Linderung der Symptomatik ausreicht, ist individuell unterschiedlich und erfordert daher einer Probe.

Schlägt Fenbendazol bei Ihrem Kaninchen nicht länger an, kann eine Umstellung auf Albendazol sinnvoll sein. Dieser Wirkstoff tötet den Erreger ebenfalls ab, greift in einigen Fällen jedoch die Leber an. Daher sind bei einer Albendazol-Therapie regelmäßige Blutkontrollen notwendig, um eine Erhöhung der Leberwerte frühzeitig zu erkennen.

Kaninchen mit chronischen Niereninsuffizienzen kommen mitunter noch jahrelang gut zurecht, ehe es binnen kürzester Zeit zu einer rapiden Verschlechterung mit der Folge eines hochgradig gestörten Allgemeinbefindens kommt.

Da Enzephalitozoonose nie vollständig geheilt werden kann und die Tiere chronisch infiziert bleiben, kommt es bei einigen Kaninchen zu unterschiedlich starken Rückfällen, die oftmals neuerliche Notbehandlungen erfordern.

Prophylaxe

Kaninchen mit intaktem Immunsystem erleiden im Normalfall keinen Erkrankungsausbruch.

Die wirksamste Vorbeugung gegen Enzephalitozoonose besteht daher in einer stressarmen Haltung durch tiergerechte Unterbringung, naturnahe Fütterung, eine vertrauensvolle Mensch-Tier-Beziehung und die generelle Vermeidung von Stresssituationen (ständig neue Partnertiere, Lärm, häufige Umgebungswechsel, ...).

Regelmäßige “Wurmkuren” mit Fenbendazol erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, es existiert jedoch kein Nachweis für ihre Wirksamkeit. Da sie – ebenso wie Dauermedikationen – das Risiko einer Resistenzenbildung vonseiten des Erregers bergen, was bei einem akuten Krankheitsausbruch die Therapie erheblich erschweren oder sogar völlig unmöglich machen kann, rate ich Ihnen eher davon ab.

Sinnvoll kann eine “Wurmkur” hingegen sein, wenn eine Stresssituation unmittelbar bevorsteht – z.B. inform einer Vergesellschaftung, eines Umzuges oder einer Reise. Auf diese Weise verhindern Sie, dass der Erreger sich infolge des geschwächten Immunsystems vermehren kann. Spätestens am Tag der zu erwartenden Stresssituation sollte mit der mindestens 5-tägigen Kur begonnen werden.

Wenden Sie sich diesbezüglich rechtzeitig an Ihren Tierarzt.